übersetzt von Fabjan Hafner. Quelle: Manuskripte. Zeitschrift für Literatur 173, Graz 2006
An die große Stille
1.
Stille Hänge, die Bora tost talwärts,
verschattete Gassen, und in den Trommelfellen
nachklingende Musik, die die freudige
Stille zerschlägt und sich in Frau und
Mann frisst, damit sie ihr lauschen und sie in ihre
Umarmung aufnehmen, dort, wohin die warme
Luft den Wandel trägt, in kalte Gegenden,
die ihre Gedanken prägen, wenn sie sich lieben,
bis die Hitze nachlässt und der Straßenlärm
sich legt, das Chaos der Warenhäuser,
die keine Einsamkeit umtauschen und
beschwichtigen, wie Musik in ungeübten Ohren
den Krach der Verkehrsströme nicht übertönt,
das Sirenengeheul oder das elastische Stehen
endgültiger Körper und die feststehenden
Positionen der Sterne in klaren Nächten
2.
Ich käme gerne näher, doch deine Musik
ist so fern, dass das Ohr sie nicht wahrnimmt,
und das, was im Radio läuft, ist nicht vergleichbar,
eine schwache Auswahl an einem gewöhnlichen Tag,
wenn alles, was ich höre, eine andere,
unerklärliche unrhythmische Stille ist
in meinen ungewöhnten Ohren, ein Gehör,
das stumm lauert, wenn die Autos ihre Motoren
abstellen und die monotonen Rhythmen der Maschine
aus der Garage aufhören zu schlagen und keine angenehmen
Hände auf den Tasten sind, auf denen du irgendetwas
spielst, nie kann ich eine Melodie erkennen,
doch was gehört werden will, wird gehört, und
wird aufgelegt, selbst würde ich lieber hören, was
es nicht gibt, deshalb schlüpfe ich aus den Schuhen,
steige in den Fluss, gehe ich auf in flüchtigen Dingen
3.
Und manche behaupten, es gäbe noch eine andere,
höhere Musik, der wir lauschen sollten, wenn wir
hören wollten, doch es ist nicht gut, der lärmenden
Stille zu antworten, außer mit Schweigen;
also sollten deine Hände sauber sein, Männer
und Frauen einander umarmen, die Arbeiter
oben vor Stürzen sicher sein, und die Fahrer
vor Unfällen bewahrt, die Musiker sollen
ihre Instrumente in genauen Ton hören,
und genauso verfahre mit denen,
die auf der Straße sind, dein Gehör lehne
an die Mauern und lausche dem Schlagen
des verborgenen Zentrums, es soll urban klingen,
denn bei unserem Sturz wären wir gerne vollkommen,
deshalb zerstöre unsere Außergewöhnlichkeit nicht,
die ich durch wachsame Dichtung preise.
Das Maß
Schon heute freue ich mich auf all die Tage, die ich noch erleben werde.
Sowohl auf die schweren - an denen ich Ton werde brennen und
einen zerbrochenen Krug werde kleben müssen -
als auch auf die leichten, an denen ich die Wände des Raumes tünchen,
messen und füllen, mich betrinken und
ins Gleichgewicht bringen werde.
Schon heute rechne ich nach, wie viele Gewichte ich
auf die eine Seite werde stellen müssen, um das Maß zu treffen
und den Atem weder auf zu viel noch auf zu wenig einzustellen.
Mich übernehmen genaue Finger
die immer genug austeilen
und für sich nichts verlangen.
Die Berührung der Zunge
am Gaumen
eines stummen Mundes sein.