Jana Putrle Srdić

übersetzt von Fabjan Hafner

 

Gegenstände

Er bringt keine Geduld auf für alte Gegenstände.
Sobald einer – ob Klinke, Lehnstuhl, Gabel,
Windrad oder Papiertaschentuch – abgenutzt ist,
wirft er ihn weg und kauft einen neuen.

Der Pilzkorb fällt nicht darunter,
zweimal im Jahr verwendet hat er Bestand.

Bei den Büchern gibt er auch klein bei, selbst wenn sie
nach Feuchtigkeit und Schimmel stinken, über sie hat er keine Macht.

Die Blumen vertrocknen dann und wann, und wenn er sie
in eine Plastiktüte wirft, hört er ihre Leichen
im Erdreich flüstern.

Der hundertjährige Schrank im frisch ausgemalten Zimmer
stellt ein Problem dar. Sein Inneres ist ein Sog
in die Vergangenheit, die er durchgekaut ausspucken wird,
runzlig wie eine Rosine, mit ausgefallen Zähnen in den Händen.
Er denkt an seinen Körper, der sich bei 1500 °C reglos
in Asche verwandeln wird und dem Schrank gefällt.

die schranke

das gitter heruntergelassen, unterbrochen
    die zufuhr von sauerstoff, blut
in die winzigen lettern zwischen rosa buchdeckeln, papierbüschel ausgerauft,
krücken, wegweiser, die signalisierung unterlassen,
    die welt in ein leeres blatt geputzt und
keine notiz genommen von deinem verzweifelten
             sammeln von gegenständen,
    dich trug eine woge elektrischer dosenöffner, digitaler wecker,
pocket-tvs, hausgemachter kuchen aus der tüte, pepermint
bonbons, du schwebtest auf laufschuhen
    mit luftpolstern,
auf kunstblumen und reihen moderner klassiker,
kamst um die ecke geschossen mit deinem irren
              kram, der aus
den wolken über deinem kopf ragte, in denen nichts war
außer ausrufezeichen, doch ich wohnte schon längst nicht mehr in diesem
idyllischen park unter den birken, satt habe ich die dosen, die perverslinge,
die konsumsprünge in eine halbe stunde natur,
              satt habe ich die locksätze,
die sich am gras reiben, mit meiner zusammengewürfelten buchstabensammlung
schlurfte ich zur bahnlinie, setzte mich, starrte die güterwagen an, beladen mit
         weißen weißen weißen gelben autos autos kombis,
ich wusste, du stehst verschämt hinter meinem rücken
              und weißt nicht,
  was du anfangen sollst mit deinen dingen und
ausrufezeichen und leeren wolken, und ich ließ die schranke herunter

unterwegs

du schläfst mit um den kopf geschlungenen armen,
entlang der langen, geraden straße immer noch
nur schotter und braunes gras und vorstadttafeln
durchbrochen von aufschriften: vulkaniseur,
heurige erdäpfel, ein gelbes ljubljana, überklebt
mit einem roten strich, die gesichter der wenigen
menschen, die man aus der landschaft liest, sind
in der schnelligkeit unkenntlich, ein zerflossener
abdruck auf der netzhaut, und durch beharrliches
starren auf den horizont erreicht man den manchmal
auf der windschutzscheibe verschmierten punkt
in der ferne, die straße weitet sich zur startbahn,
wenn man sich im easy jet von schotter und staub
und braunem gras löst, einer anderen vorstadt
entgegen, wo die gesichter mit dem hintergrund
verschwimmen in rötlicheren oder grünen tönen,
und man geduldig einen dicken saft schlürft, den
einem die stewardess in die hand gedrückt hat,
man spürt, dass man unter solch unsicheren
umständen in eine faust geballt ist, 90 personen
12 km über dem meeresspiegel, mindestens 12 km
nichts rund um die faust, und man sieht die gesichter
der mitreisenden immer noch nicht, und man muss
einen kühlen kopf bewahren, und das glas in der
hand ist richtig herum gedreht, und wenn man das
blau unter sich bestaunt, bleibt einem nichts anderes
übrig, als zwischen kopfhörer gepresst, den sender
zu wechseln und unwillkürlich den sicherheitsgurt
zu öffnen und zu schließen

während alle weiten in deinen blick ohne mitte wandern