Maja Vidmar

 

Leda

Wie kann sie sich
den Schwan im Leib erlauben,
Ohne wahnsinnig zu werden
Bei jeder Bewegung
und auch noch den Erguß
eines anderen hohen
Aufschreis überleben!

Jetzt hält sie es
ohne Schwan im Leib nicht aus.
Im Königsflaum
abgefallener Lust
langt sie nach der weißen Feder
des Losen,
der nur einmal berührt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

 

Gott

Immer mit dir, dich selbst lebend,
Liebkind deiner selbst, des Herrn,
buchstabierst du dich ins Wachsgefieder,
als Liebender deines eigenen Codes.

Immer im Überfluß der eigenen
Gegenwart, bist du Ente, bist du Ikarus,
bist du ein schwingenloser Zwischenfall
und deine eigene Feuerpause.

Doch, wenn ich mich unter
das Gewicht des göttlichen Zeltes lege,
wenn ich in der Resonanz
deiner Bewegungen bestehe - wenn ich bebe,

brauchst Gott, selbst du,
meine Übersetzung.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

 

Konkordat

Du wirst mir
zwei unschuldige Kinder
gesund und munter
leben lassen,
ich werd dir
unablässig Spiegel
meines Leids sein.
Und willst du aus
meinem Inneren
noch das Spiegelchen
holen,
nimm.
Auch stumme Augen
erholen sich
an den Kindern.

Aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger

 

Haus

Mit der Vatermilch
sog ich die feste
Architektur des
Hauses ein,
und in diesen Räumen
deckte ich mich abends
zu bis über den Kopf,
und kein Zweifel besteht:
Im Offenen kämen die,
die es nicht gibt und
fräßen mich.

Schwer ist ein Haus
im Kopf.
Abends setze ich mich
auf die letzte Schwelle
und rufe lang gezogen
die, die es
nicht gibt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

 

Isaak

Wenn Isaak schläft,
bedecke ich seine winzigen Schwingen,
sehe, wie er atmet,
und beschnuppere ihn,
als gehörte er mir.
Wenn mir Isaak zuwinkt,
ermahne ich ihn über die Straße
und zittere,
als gehörte er mir.
Weil ich ihn freilasse,
nachdem ich dreimal geklopft habe,
ihn jeden Tag freilasse
unter die Raubtiere.

Wie soll ich es sagen,
als wäre es mir einerlei.
Isaak, komm, wir gehen
auf einen hohen Berg.
Wie soll ich einen Hackblock suchen,
einen sauberen, glatten Hackblock
für ihn.

Wie soll ich mit dem Messer,
als wäre es mir einerlei,
mit dem nackten, grauen Messer,
wie soll ich ihn bei lebendigem Leib
abschneiden.

Isaak, komm, wir gehen.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner