Erika Vouk – vier Gedichte aus der Sammlung „Das Wogen“

aus dem Slowenischen von Aleksander Studen-Kirchner

13
Ich sitze am Meer und denke dich.
Die Sonne im Stein,
das Schiff im Dock.
Den spröden Kahn, der heimwärts dreht,
erkenne ich am schwachen Klang.
Weit ist noch der Rand der Ebbe,
das Seegras hat sich hingelegt,
glitschiges Moos am Grund des Hafens,
der Tag, noch warm von Sonnenglut –
Wenn die Zikaden schlafen,
wenn den Möwen im dicken Schwarm
zum letzten Mal der Ruf versiegte,
ist es zum Augenschließen.

32
Süß riecht der Kapernstrauch
aus dem Mauerriss des Glockenturms,
du bist nicht hier,
doch als ob du wärest,
versüßt mir meine Lippen
die feuchte Spur der Zunge
von dem Kuss; wie ein Siegel
unwiederbringlich aufgehoben.
Eine Wörterwelle schwappte drüber.
Seitdem sind wir körperlos.
Ein blutverletzter Kreis.

40
Zwischen berührungslosen Liebenden
ist die Klappbrücke verriegelt,
liegt leer das All versiegelt,
der Morgen wartet auf den Zapfenstreich
und schwindet ohne Tag in Nacht.
Das Fremde am Bett,
im Laken,
glatt geschlichtet,
ist wie eine weiße Furche,
trocken,
bis zur Leere ausgefasst.
Der Duft nach Einsamkeit – ein kalter Gast.

42
In der versiegten weißen Furche
renne ich und rufe dich,
der du ein andrer bist;
der nicht weiß ums aufgetürmte Wogen
der Worte und Empfindungen,
nicht um den sanftbrutalen
Tidenhub,
um den Fluss, der in sich selbst versickert,
um das Verwunschensein des Südens,
um Zeiten,
von denen ich verschieden.