VERSUCH EINER PARABEL A LA KAFKA

 

 Ein Mann lebte auf einer Insel. Es war ihm langweilig. Eines Tages stand er an einer Ecke und sah einen Mann, der wunderschöne Schuhe hatte. Er betrachtete die Schuhe des anderen Mannes und dachte sich dabei: „Wie schön sie doch sind! Wenn sie nur meine wären!" Er verliebte sich so sehr in diese Schuhe, dass er darüber die Zeit vergaß. So vergingen einige Stunden. Als er auf die Uhr kuckte, war es schon zu spät. Er mußte gehen. „Ich muss schon gehen." In der Nacht träumte er von diesen Schuhen. Am nächsten Tag ging er wieder zum selben Ort. Denn, er dachte sich: „Vielleicht treffe ich diesen Mann ja wieder." Und es war wirklich so. Der Mann vom vorigen Tag stand wieder da, in diesen wunderschönen Schuhen. Der erste Mann bewunderte wieder diese Schuhen, er schwärmte davon, sie einmal tragen zu dürfen. Und er vergaß wieder die Zeit. Als er auf seine Uhr blickte, mußte er weg.

 Und so vergingen einige Tage. Immer stand der Mann in den wunderschönen Schuhen an der Ecke und der Mann mit der Uhr betrachtete sie. Bis zum Tag, wo sich der Mann mit der Uhr eigentlich fragte, warum der andere  immer in derselben Ecke steht. Er entschied sich, zu ihm zu gehen und ihm diese Frage zu stellen. Der man Mann mit den Schuhen meinte  dann:

„Eigentlich müsste ich ja gehen, aber ich weiß nicht, wie spät es ist.“

„Sie brauchen also eine Uhr. Ich könnte Ihnen ja meine geben, aber nur unter einer Bedingung …, dass Sie mir dafür Ihre Schuhe geben … ?“

Der andere meinte darauf verwundert: „Wie aber kann ich ohne Schuhe gehen?“

„Na, ja, barfuß.“

„Nein, so geht das nicht. Ohne Schuhe kann ich nicht gehen.“

„Na, ja, dann brauchen Sie ja nicht wegzugehen.“

„… Aber, wenn ich schon eine Uhr habe … wenn ich schon weiss, wie spät es ist …?!“

„Na, ja, dann haben wir ein Problem …“, meinte der erste Mann und begann, nachzudenken. Das dauerte einige Minuten … Er wusste genau, wie lange es dauerte, weil er die ganze Zeit auf seine Uhr blickte. Dann, auf einmal nahm er die Uhr von der Hand und warf sie auf den Boden.

Dann hob er sie glücklich vom Boden auf, reichte sie dem anderen und äußerte fröhlich:

„Jetzt können Sie sie haben.“

„Aber was mach ich mit der jetzt? Die ist jetzt stehengeblieben. Ich kann jetzt nicht weggehen.:“

„Genau! Das können Sie nicht. Aber jetzt wird es Ihnen am wenigsten leichter fallen, stehenzubleiben“. Darauf nahm er ihm die Schuhen und ging zufrieden weg.

 

Ljiljana

REPORTAGE AUF GRUND EINES SCHREIBGERÜSTES

 

Am Freitag des 13. September 2002 joggten 4 Teilnehmerlnnen der DAAD Sommerakademie „Germanistik und Medien" aus Sali zum See Mir. Um 3 Uhr nachmittags ließen sie sich, ungeachtet der drohenden Gefahr, ermüdet und erhitzt auf dem Strand nieder. Sie zogen sich aus und begaben sich ins trübe Wasser, nur Suka blieb vor Ort sitzen, weil sie ihre Tage hätte. Ungefähr 500 Meter vom Strand entfernt tauchte ein Gespenst auf, ein Salamander mit langem Nacken. Sein Mund verschluckte die Schwimmenden ohne groß zu kauen. Suka erhob sich mit panischem Geschrei, rief ihren Kommilitonen dauernd nach, bis sie endlich verzweifelt nach Sali zurück lief. Unterwegs holte sie eine Deutsche und fuhr sie ins Hotel zurück. Dort erklärte Suka den anderen Studierenden, was passiert war. Dejan, der einzig verbliebene Studierende, stand ein, Suka und noch einige andere Kommilitoninnen mit seinem Auto zu Mir zurückzufahren. Dort angelangt erblickte die studentische Rettungscrew die Vermissten im See baden. Dejan begann auf dem Wege zum Ufer Suka zu schelten. Auf einmal tauchte das Gespenst wieder auf, die Schwimmenden taten aber, als ob nichts wäre. Dejan stürzte sich ins Wasser und schwamm ihnen entgegen. Da er zudem verspätet in Panik geriet, kehrte er zwar um so schneller um, jedoch auch für ihn war es zu spät. Vier erschrockene Seelen blieben am Ufer zurück. Eine überlegte, was da Geschehen war, und fragte endlich erstaunt: „Suka, warum hast du nicht die Polizei gerufen?" – „Also, was warten wir noch?" Auf der Polizeistation zu Sali erwartete die armen Seelen noch Folgendes: Der Polizist hörte ihrer Geschichte ruhig zu und am Ende lachte er nur. Die Studierenden dachten, er glaube ihrem dummen Gerede überhaupt nicht und könne sie, wenn man ihn nicht in Ruhe ließe, sogar, zornig auf ihr aufdringliches Benehmen, festnehmen. Suka fragte die anderen: „Denkt ihr nicht, dass der Polizist verdächtig lachte? Wir sollten uns eine glaubwürdige Geschichte ausdenken. Ich rufe mal die Polizeistation zu Bozava an und teile mit, dass jemand in Mir ertrunken sei." Nach erledigtem Anruf sagte Suka, die Polizei komme dorthin in 20 Minuten. Gleich danach überzeugte sie ihre Kommilitoninnen, nochmals mit Dejans Auto zu Mir zu fahren. Dort angekommen stiegen sie aus dem Auto und warteten, aber die Polizei kam nie. Niemand hatte ein Handy bei sich. Sie beobachteten nervös, wie das Gespenst hie und da manchmal aus dem Wasser auftauchte.

 Plötzlich bewegte sich etwas im Gebüsch. Wieder kam Panik auf. Die Studierenden rannten stolpernd zum Auto, als plötzlich dem Gebüsch ein lauter Schrei entfuhr: „Schnitt!" Suka konnte sich nicht mehr zurückhalten, sie begann laut zu lachen. Eine bekannte Filmcrew trat aus dem Gebüsch hervor, hinterher die drei vermissten Kommilitonen und Dejan. Aus dem Wasser erhob sich das künstliche Gerüst des Salamanders. Der Workshop „Visuelle Medien" versuchte, Real‑Life und klassischen Horrorfilm in einer neuen künstlerischen Wirklichkeit zusammenzuführen. Insofern ist dieses Projekt völlig gelungen ‑ der Film muss nur noch vorgespielt werden. Suka hat gut  mitgemacht, sie hat sogar in allen Workshops mitgearbeitet.

 

Jemej


EINE WAHRE WAHRE GESCHICHTE

 

 Dies ist eine wahre Geschichte. Es ist aber keine angenehme Geschichte. Sie ist Andi, als er in Deutschland war, wirklich passiert.

 Andi hat uns also erzählt: "Ich bin mal nach Deutschland gefahren. Ich war also in München und bin durch die Stadt spazieren gegangen. Am späten Abend wollte ich dann ins Hotel gehen, aber es war zu weit, um zu Fuß zu gehen. Und so musste ich dann mit der Bahn fahren. Ich habe aber die Bahn um 23.30 Uhr verpasst, deshalb musste ich noch 40 Minuten lang warten. Als ich also dort hin und her gegangen bin, habe ich einen Mann bemerkt, der noch sehr jung aussah, aber schon weiße Haare hatte. Er saß auf einer Bank in der Nähe. Nach ein paar Minuten habe ich mich also hingesetzt und in Ruhe auf den Zug gewartet. Es waren nicht viele Menschen in der U‑Bahn Station, und es war sehr dunkel dort. Ich hatte leider keine Zeitung dabei, deshalb habe ich mich ein wenig umgesehen. Der junge Mann ist aufgestanden und an mir vorbeigegangen. Er fing dann an, an mir vorbei hin und her zu gehen. Nach einer Zeit habe ich mich schon gewundert, was der Mann jetzt macht. Er hat mich auch so komisch angesehen. Das ist mir noch merkwürdiger vorgekommen, und so habe ich auch ab und zu mal zu ihm hingesehen. Nach einiger Zeit hat sich der Man umgedreht und angefangen, in meine Richtung zu gehen. Ich habe Angst bekommen, es war fast niemand mehr in der Station, und es war sehr dunkel dort. Der Mann kam zu mir, und hat mich gefragt, warum ich ihn beobachtete. Ich habe ihn angesehen und ihm gesagt, dass das gar nicht so sei. Ich sähe mich nur ein bisschen um. Der Mann erwiderte darauf: "Du fragst dich bestimmt, warum ich so weiße Haare habe." Ich erwiderte: „Ja, eigentlich schon." Er fragte mich, ob ich Zeit hätte, und ich antwortete mit ‚ja‘. Dann fing er an, mir seine Geschichte zu erzählen:

 Als er klein war, so etwa zehn Jahre, war in seinem Dorf so eine Clique. „In unserem Dorf stand am Rande ein verlassenes Haus. Eine alte Frau lebte in dem Haus, ist aber vor einiger Zeit gestorben. Die Leute sagten, dieses Haus wäre ein Geisterhaus. Eine junge Familie ist ins Dorf gezogen und sie hatte einen kleinen Jungen. Dieser Junge wollte zur unserer Clique gehören. Wir haben ihm eine Mutprobe abverlangt. Er sollte in dieses Haus gehen und in jedem Stockwerk eine Kerze anzünden. Dieses Haus hatte einen großen Garten mit vielen Bäumen, durch den er durchqueren musste, um ins Haus zu gelangen. Wir haben vor dem Haus auf ihn gewartet. Der Junge ging in das Haus, um die Kerzen anzuzünden, aber er brauchte viel Zeit. Wir haben uns schon Sorgen gemacht, aber wir haben auch noch gewartet. Nach einer Weile zündete er die erste Kerze an. Es dauerte lange Zeit, bis auch die zweite Kerze angezündet war. Wir saßen im Gebüsch und haben gewartet. dass endlich die letzte Kerze angeht. Die ist aber nicht angegangen. Obwohl wir besorgt waren, trauten wir uns nicht ins Haus. Wir haben eine Stunde lang vor dem Haus gewartet und sind dann nach Hause gegangen. Am nächsten Morgen in der Früh sind wir zu dem Haus zurück, um zu sehen, was passiert war. Als wir zu dem Haus kamen, waren dort viele Menschen, die Polizei war auch dabei. Vor dem Haus stand ein Krankenwagen, und aus dem Haus haben sie den toten Jungen auf einer Trage heraus getragen. Die Mutter des Kindes hat uns angesehen und gefragt, ob wir wüssten, was passiert ist. Wir sagten, wir hätten keine Ahnung. Die Mutter glaubte uns aber nicht und hat uns mit einem Fluch belegt. Sie sagte, wir werden alle mit achtzehn Jahren weiße Haare bekommen und mit zwanzig Jahren tot sein.

 Alle meine Freunde sind schon tot. Ich habe mit achtzehn Jahren weißes Haar bekommen und heute werde ich Zwanzig und AAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Aufgeschrieben von Tadeja



KIDDY‑SALI‑MALI. HÖRSPIEL

Personen: Milena, Kolja, Hintermaier, Rauer, Immanuel, Purg, Rita

 

 

 

 

1. Auf dem Weg vom Restaurant zum Hotel

‑ Milena! Der Traktor ist kaputt!

‑ Kolja! Der Traktor schläft.

‑ Milena. Kann man nicht heile machen.

‑ Rita kann heile machen. Rita ist Meister.

‑ Milena, gehen wir auch arbeiten!

‑ Ja, arbeiten. Mit Computer. Mit Peters Computer. OK?

‑ OK!

 

2. Im Unterrichtsraum

            ‑ Milena. Dieser Computer kann swimmen.

            ‑ Ja, wie kleines Boot.

            ‑ Computer ist Medien. Papa sagt, Medien kann alles. Medien kann swimmen.

‑ Kamera auch!

            ‑ Genau! Wo ist Kamera?

            ‑ Bei Immanuel.

            ‑ Holen wir auch Kamera?

            ‑ Ich nehm diesen Computer und du Kamera, OK?

            ‑ OK!

 

3. Auf dem Weg zum Meer

- Milena, ich will Kamera!

            ‑ Nein, das ist MEIN Kamera.

‑ Gehen wir am Meer.

            ‑ OK!

 

4. Am Meer

            ‑ Milena, guck mal, großer Boot!

            ‑ Medien! Boot kann auch schwimmen.

            ‑ Und Medien kann auch swimmen?

            ‑ Na klar. Guck mal!

 

5. Terasse

            ‑ Frau Stegen. Wo ist unsere Kamera?

            ‑ Keine Ahnung, Immanuel, vielleicht hat sie Slobodan?

‑ Nee, Slobodan hat ...

- Rita, hast du mein Notebook gesehen?

- Nee, Peter, vielleicht …

 

 

 

6. Am Meer

‑ Guck mal Milena. GROSSES Medien. Mit Motor. Kann auch  swimmen.

‑ Na klar!

 

 

7. Telefon

‑ Allianz‑Versicherung mein Name ist Hintermeier was kann ich für Sie tun?

‑ Rauer, guten Tag. Mein Sohn hat ein Notebook und eine Videokamera ins

  Meer Geworfen.

‑ Und wir sollen das jetzt bezahlen. Na, Herr Rauer, ein bisschen genauer

  müssten Sie schon,-

‑ Ja genau, Sommerakademie, Balkan, Adria, Medien, verstehn

  Sie:MEDIENPÄDAGOGIK!

‑ Und da bringen Sie Ihren Teilnehmern bei, Notebooks und Videokameras ins

  Meer zu werfen?

‑ Ja genau. Kameraweitwurf, Notebooktauchen. Das Medium ist die Botschaft.

  Sie verstehen doch? Macht kaputt, was euch kaputt macht. Dialektik!

‑ Na, dann viel Vergnügen noch. (Wirft den Hörer auf)

 

 

8. Im Unterrichtsraum

‑ Milena!

‑ Kolja!

‑ Gehen wir arbeiten?

- OK!!! Mit Medien!

‑ Was kann schwimmen?

‑ Mit Ritas Digitalkamera. Und Bernhards Notebook. OK? Papa sagt, Medien

  kann nicht swimmen. Das macht mag nicht.

            ‑ Aber vielleicht Medien kann fliegen?

‑ OK?

- OK!!!

 

 

9. PS

‑ Kolja!

‑ Ja, Milena?

‑ Ist Jannis auch Medien, was kann fliegen?

‑ Nein, Jannis ist kleiner Baby

‑ Kleiner Baby ist nicht Medien?

‑ Nein. Papa sagt, kleiner Baby ist Dialektik. Dialektik ist nicht Medien. Dialektik

kann nicht fliegen. Dialektik kann nur essen und trinken. Dialektik hat Popo.    

Dialektik muss man nicht aus Fenster ins Meer werfen, das macht man nicht.

 

Stephan


Wieviel Ratio verträgt der Mensch?

 

Meine AG, die gnadenlosen Wesen,

wollen mich, Lektorin, nicht faulenzen sehen.

Der Strand von Sali, aus Sand und Stein,

soll mir diese Woche verwehrt sein.

 

Doch ich, der beste Freund der Geister,

begegne diesem Wunsch ganz heiter.

Um Mitternacht lasse ich sie dichten

und entkomme allen Arbeitspflichten.

 

Die Geister von Sali, sie leben,

und keine Wissenschaft kann sie aufheben.

So gehen in dieser Zeitung friedlich einher

Die Neuen Medien und die alten Mär.

 

Susanna

 

 

 

 

 

 

 

Die Sonnenstrahlen fallen auf mein Gesicht

und der Wind spielt mit meinen Haaren

eine Ameise spaziert über mein Bein.

 

Es ist ist schön hier.

Ich denk, ich bin in Paradies.

So ruhig, so schön.

 

Ich will noch nicht weg von hier.

Warum müssen wir denn schon weg.

Das Abendessen ist doch erst in vier Stunden.

Bleiben wir doch noch hier

 

Es ist so himmlisch.

Das Meer, die Sonne, der Strand.

Wir stören nicht einmal die Fische.

Hier ist es so schön.

 

Tadeja



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